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Brücke von Andau

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Ein Symbol der Menschlichkeit

Etwa 10 Kilometer von Andau entfernt führte eine schmale Brücke aus Holz über den Einser Kanal. Sie diente in der Zwischenkriegszeit und nach dem 2. Weltkrieg den Andauern dazu, nach Ungarn zu kommen. Bereits in der ersten Zeit des Ungarnaufstandes im Jahr 1956 (von 23. Oktober bis 4. November 1956) kamen Ungarn auf diesem Wege über die Grenze.

Als die Rote Armee am 4. November 1956 mit brutaler Gewalt begann, die ungarische Revolution niederzuschlagen, nahm der Flüchtlingsstrom ungeahnte Formen an.

Die Gemeinde Andau und die Bevölkerung zeichnete sich in dieser Zeit durch ihre einzigartige Hilfsbereitschaft aus. In Andau wurden mehrere Auffanglager eingerichtet (in Schulen, Kindergarten, Kino und anderen öffentlichen Räumen), in denen rund um die Uhr Flüchtlinge betreut wurden. Nach ein bis zwei Tagen wurden die Flüchtlinge mit Autobussen in größere Lager gebracht.

Am 21. November wurde die Brücke schließlich gesprengt. Die Grenze wurde ab dann von den ungarischen und russischen Grenzposten noch schärfer bewacht. Trotzdem kamen immer noch hunderte Flüchtlinge über die Grenze. Völlig entkräftet, frierend und durchnässt erreichten sie den ersten Zollposten in Andau.

Insgesamt sollen zwischen 70.000 und 80.000 Menschen bei Andau über die Grenze gekommen sein.

1992 gründete sich der Verein „Gesellschaft für internationale Verständigung – die Brücke von Andau“. Der Verein hielt in Andau von 1992 bis 1996 internationale Künstlersymposien ab. Die dabei entstandenen Skulpturen wurden an der ehemaligen Fluchtstraße von Andau zum Einser Kanal aufgestellt. Die 10 km lange Straße wurde zu einer einzigarten begeh- und befahrbaren Galerie als sichtbares Zeichen für die „Ablehnung von Gewalt, Intoleranz und Inhumanität, Menschenverachtung und Rassismus.“ (Die Skulpturen stehen übrigens im Eigentum der Besitzer, und werden daher von der Gemeinde nicht restauriert).

Der Verein setzte sich auch für den Wiederaufbau der Brücke ein, die an dem Platz, an dem die frühere war, von Pionieren des Bundesheeres neu erbaut und am 20. September 2006 feierlich eröffnet wurde. (WAB 116: „Vom Traum zum Trauma. Ungarnaufstand `56. Begleitband zur Ausstellung, Eisenstadt 2006, S. 46-54.)